Nach fast 3 Monaten Kanada muss ich doch einmal einen Blogeintrag schreiben.
Woran merkt man, dass es 3 Monate sind? Eine E-Mail von Air France erinnerte mich heute daran, dass ich doch bitte in meinen Flug einchecken soll, der morgen von Toronto über Paris nach Stuttgart fliegt. Aus Kostenspargründen habe ich damals bereits meinen Rückflug gebucht und den kann ich jetzt nicht antreten, weil doch viel zu viel gut gelaufen ist. Hier hab ich viel zu schnell einen Job gefunden, eine Wohnung und mir fehlt nur noch die perfekte Brettspielgruppe mit der ich regelmäßig die Welt von Ungeheuern und Seuchen befreien kann.
Das ist ein neuer Ton von mir und ich beklage mich über positive Ereignisse. Das kann nur ein Zeichen sein, dass es mir zu gut geht. Mittlerweile mag das vielleicht sogar stimmen, aber anfangs hab ich viel gemeckert. Wie eben eine gute Deutsche!
Ich sollte wirklich einen Preis gewinnen für viel Text mit wenig Inhalt. Deshalb hier mal was sinnvolles.
Wie die meisten wissen, begann meine Reise Ende August und mein erster Stop hieß Toronto. Die Stadt war mir sehr bekannt, weil ich immer als Teenager dahin auswandern wollte. Der Dank dafür geht an Sum41, die aus Toronto kommen. Damals hab ich etliche Reiseführer verschlungen und wusste mehr über die Stadt als womöglich jeder, der jemals da war. Viel brachte mir das für mein erstes Ziel leider nicht und irgendwie hab ich kaum etwas touristisches in Toronto angeschaut. Dafür war die Zeit auch viel zu kurz und ich hatte das Vergnügen mit einer der nettesten Deutschen meine ersten Tage zu verbringen. Wir kochten Abends zusammen, besuchten Toronto Island mit dem Fahrrad, spielten Brettspiele und schlenderten durch die Stadt. Ein Glück, dass ich meine Jugendträume nicht erfüllt habe, denn Toronto ist überhaupt keine Stadt für mich. Zwischen Betonklötzen fühlte ich mich noch nie sehr wohl. Das Hostel hingegen war wirklich genial und da würde ich sofort wieder hingehen.
Nach 5 Tagen ging es dann mit dem Bus in das 8 Stunden entfernte Montreal. Der Ort, an dem ich überwintern wollte. Die meiste Angst hatte ich vor der Sprache und ich war noch nicht ganz überzeugt, ob ich tatsächlich einen Job finden kann, ohne fließend Französisch zu sprechen. Beide Ängste sollten unbegründet bleiben. Nachdem ich im wohl coolsten Hostel in Montreal untergebracht war, erkundete ich die Stadt um festzustellen "Verdammt, alles scheint viel zu weit weg zu sein". Da ich Geld sparen wollte (ich wusste ja nicht wie lange ich von meinen Ersparnissen leben muss) lief ich zu allem und immer wenn ich Rue Rachel kreuzen musste, rechnete ich bereits mit einem über 30 Minuten weit entfernten Spaziergang. Auf Google Maps sah alles immer relativ nah aus und man lief los, um dann fast eine Stunde später anzukommen. In der ersten Zeit war ich unglaublich unzuverlässig. Immer musste ich mich für meine Verspätungen entschuldigen, es war wirklich schlimm. Jeder weiß, wie zuverlässig ich bin (außer vielleicht beim Brettspielen :P jajaja Dirk (falls du das überhaupt liest)).
Nun ja, ich war noch nicht lange in Montreal und irgendwie war mir nach ein paar Wochen bereits langweilig. Deshalb hab ich mich kurzerhand für einen Job in meinem Bereich beworben, der Deutsch als Pflicht erforderte und nicht Französisch. Das Ganze kam wie gerufen und ich hab noch nie so schnell ein Vorstellungsgespräch gehabt. Hab am Sonntag meine Bewerbung verschickt und am Donnerstag hatte ich bereits das Gespräch. Am selben Tag hab ich bereits die Zusage bekommen, dass ich den Job habe. Es dauerte dann noch fast einen Monat bis ich den Vertrag unterschrieben hatte und meinen ersten Arbeitstag kannte. In der Zwischenzeit war ich hin- und hergerissen zwischen "Geld verschwenden" und "Geld sparen". Am Ende hab ich wohl etwas dazwischen gemacht, trotzdem war das eine seltsame Zeit. Jeder Tag war gleich und ausschlafen ist was feines und frische Pancakes auch, aber irgendwie wollte ich doch, dass es endlich losgeht.
Am 20. Oktober fing ich dann endlich mit der Arbeit an und bin eigentlich noch ganz happy. Nach den wohl besten Kollegen der Welt in Köln, konnte ich mir nicht vorstellen überhaupt etwas zu finden, was dem Nahe kommt. Aber bei mir auf der Arbeit sind alle super nett und hilfsbereit, ähnlich wie in Köln. Nur die philosophischen Gespräche mit Dennie und Freddy fehlen und natürlich das ganze Bier. Aber ich war doch ganz froh, dass es hier keine Tradition gibt und man ein Einstandsbier spendieren muss. Bei 500 Kollegen und den Preisen für Alkohol hier wäre ich am ersten Arbeitstag bereits pleite gewesen.
Was kann ich soweit über Kanada oder Montreal sagen. Die Kanadier sind alle nett, hilfsbereit und sehr rücksichtsvoll, jedoch nicht ganz so cool wie Australier... aber das sagt ein Australien Fangirl. Montreal besitzt einen ganz besonderen Charme und erinnert stark an Europa. Mit Englisch kommt man hier gut zurecht und deshalb trau ich mich oft nicht einfach Französisch zu reden. Wenn ich das dann doch mal mache, dann verstehen mich die Leute nicht -.-' und ich verstehe die nicht. Wieso sollte man sich deshalb in Situationen befördert, von denen beide Parteien nicht profitieren. Das ist wohl die beste Ausrede überhaupt :D Aber ich will irgendwann einen Kurs belegen, wahrscheinlich nächstes Jahr.
Irgendwie macht das schreiben sogar Spaß, ich bin verblüfft. Vielleicht sollte ich das häufiger machen. Leider gibt's keine Bilder. Hab kaum welche gemacht... bislang, aber sobald ich die Weiten von Kanada erkunden fahre, mache ich mehr. Ganz bestimmt *hust*.
Das Wetter ist gut und das essen passt auch! Besser kann man nicht Danke sagen und seinen ersten Blogpost beenden.
Nice Intro!
ReplyDeleteCool, dass du offenbar gut gelandet bist.
Das mit der Sprache soll schon werden und ich glaube nicht, dass man dir ein nicht so gutes Französisch krumm nimmt (Kanada ist ja immerhin relativ weit weg von Frankreich :))
Viel Spass noch im großen weißen Norden und lass dich beim Erkunden nicht von einem Bären fressen oder so was (Hmm ... bin wohl schon zu lange nur in Städten ...)
Gruß,
Freddy